Das Begleitete Malen nach Bettina Egger

Das Begleitete Malen ist eine anerkannte kunsttherapeutische Methode, die am Institut für Humanistische Kunsttherapie AG vermittelt wird. Die Ausbildung führt zur Höheren Fachprüfung und zum eidgenössischen Diplom „Kunsttherapie, Fachrichtung Malen und Gestalten“.
Bettina Egger entwickelte die Methode seit 1965 kontinuierlich aus dem Ausdrucksmalen, welches von Arno Stern begründet wurde. Im Wesentlichen geht es darum, das Bildthema frei zu wählen oder es aus dem Angebot der spielerisch aufgetragenen Farben entstehen zu lassen. Gefühle werden dabei als Begleiterscheinung des Malens verstanden und nicht thematisch umgesetzt. Mit anderen Worten: Es wird davon ausgegangen, dass Menschen auf gleiche Art und Weise malen, wie sie leben. Im Entstehungsprozess des Bildes zeigt daher, wie der direkte Ausdruck von Qualitäten verhindert ist. Beobachten lässt sich auch, welche inneren Sätze und Meinungen ein repetitives Verhalten bewirken und damit Enttäuschung, Trott und schlechte Gefühle verursachen.
Schwächen und Probleme entstehen, wenn der Mut fehlt, die eigenen Qualitäten  auszudrücken. Wir reagieren dann nicht mit unserem vollen Potential auf die Anforderungen des Lebens, sondern verlassen uns auf Gelerntes und auf bekannte Muster. Im Begleiteten Malen ist es jederzeit möglich, durch den passenden Impuls der Maltherapeutin alte Muster zu durchbrechen. Dieser neue Kontakt zu den eigenen Qualitäten erhöht die Lebensfreude.
Neben Arno Stern prägte auch die von Manuel Schoch entwickelte Time Therapie die heutige Form des Begleiteten Malens. Im Fokus stehen dabei die individuellen Qualitäten, das Beobachten des Geschehens und die Absenz von Meinung. Dies ermöglicht eine neue Wahl und führt aus dem Dilemma.
Die Malenden tragen die Farbe langsam auf. Oft mit den Händen, was ihnen erlaubt, die damit verbundenen Gefühle sowie ihr Verhalten zu beobachten. Mit der Zeit reduziert sich die innere Notwendigkeit, bereits Gemaltes zu verbessern: Was gemalt ist, ist gemalt. Was nicht gemalt ist, ist nicht gemalt. Immer unmittelbarer kann dem ersten Impuls vertraut werden. So wird das Vertrauen in das eigene, ursprüngliche Wesen, in den eigenen schöpferischen Impuls gestärkt. Unerwartetes und Neues wird gewohnter. Diese Flexibilität, auf Situationen angemessen zu reagieren, wird von der Maltherapeutin angeregt und von den Malenden unmittelbar geübt. So hat das Bild einen offenkundigen Sinn und keine tiefere Bedeutung, die der Erklärung bedarf. Erkennen und Lernen sind somit direkte und deutliche Begleiterscheinungen des Begleiteten Malens.
Jede Form der Schuldzuweisung verhindert Kreativität, sei es gegen andere oder gegen sich selbst. Das Begleitete Malen bietet die Möglichkeit, Unpassendes, Aufregendes und Neues im geschützten Rahmen zu probieren und damit die verhinderten Qualitäten zum Ausdruck zu bringen. Die Maltherapeutin geht dabei nicht von der Vergangenheit aus, sondern bleibt beim Beobachten der Entstehung des Bildes. Diese Beobachtungen werden den Malenden bei Bedarf vermittelt und in den Entstehungsprozess des Bildes mit einbezogen.
Die Maltherapeutin ist die Hebamme und Anwältin des Bildes. Sie erkennt die Aufforderungen des Bildes, die ungewollt sind und oft als Fehler verstanden werden. Indem sie diesen Elementen zum Werden verhilft, entsteht eine bildnerische Zwiesprache zwischen den Malenden und ihren Bildern, die zu überraschenden Lösungen und unerwarteten Resultaten führen kann. Nachdem das neu Verhalten beim Malen geübt wird, kann es in den Alltag übertragen werden. Da alle Sinne in diesen Erkenntnisprozess einbezogen sind, werden die neuen Möglichkeiten als neue Muster leichter und dauerhafter im Gehirn gespeichert.
Das Begleitete Malen steht grundsätzlich als möglichen Weg für jeden Menschen offen, unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation.